Ktima Tselepos — Avlotopi 2017
Single Vineyard
PGI Tegea
100% Cabernet Sauvignon
Peloponnes, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5%
Ktima Tselepos Avlotopi 2017, ein 100% Cabernet Sauvignon aus der PGI Tegea auf dem Peloponnes. Beim Thema Cabernet Sauvignon aus Griechenland gibt es eine kuriose Spaltung in der Wahrnehmung: In Deutschland halten viele die Trilogia von Christos Kokkalis für den quintessenziellen griechischen Ausdruck der Rebsorte, während griechische Weinkenner oft auf den Avlotopi als besten griechischen Cabernet verweisen. Ich habe den Hype nie ganz verstanden. Bei einer Blindverkostung vor zwei Jahren kam der Jahrgang 2019 bei mir nur auf 87 Punkte — die Nase war in Ordnung, aber die Tannine waren harsch mit zu viel Bitterkeit. Der FNL Guide vergab für den Jahrgang 2013 aus ähnlichen Gründen 88 Punkte, deutete aber an, dass Zeit die Balance zwischen Frucht und Holz verbessern könnte. Als Yiannis Karakasis MW den 2013er vier Jahre nach der Ernte verkostete, sagte auch er, der Wein brauche mehr Zeit (91 Punkte), während der Jahrgang 2001 achtzehn Jahre nach der Ernte als exzellent eingestuft wurde. Das Muster scheint also klar: Avlotopi verlangt Geduld.
Verkostet im Restaurant Klimataria in Athen zu deren hervorragender Auswahl an μαγειρευτά (geschmorte Gerichte), war der Jahrgang 2017 für sein Alter weiter gereift als erwartet — die Nase wirkte eher wie 10–15 Jahre alt. Am Gaumen blieben die Tannine jedoch aggressiv, gepaart mit Salzigkeit, leichter Süße, niedriger Säure und spürbarem Alkohol bei 14,5% — eher ein Wettstreit als Harmonie. Zum Fleisch in roter Sauce passte er gut, aber ich verstehe seine Anziehungskraft nach wie vor nicht ganz. Liegt es an der Seltenheit eines vollmundigen Weins mit Tertiäraromen in Griechenland, oder braucht er im Gegenteil noch mehr Zeit — ein Wein für Geduldige mit gutem Keller? Heruntergekühlt kamen mehr Primärfrüchte zum Vorschein — Cassis und Brombeere — und mit 92 Punkten ist das der beste Jahrgang des Avlotopi, den ich bisher verkostet habe. Kein schlechtes Ergebnis, schon gar nicht für um die 20 Euro. Aber ikonisch? Das sehe ich nicht. Fairerweise: Der Preis erhebt auch keinen solchen Anspruch.
Verkostet: 2024