Ktima Papoutsi – Rigma Merlot 2022
PGI Atalanti
85% Merlot, 15% Cabernet Sauvignon
Mittelgriechenland, Griechenland
Rotwein | trocken
13,5% | Bio
Das Ktima Papoutsi liegt in der PGI Atalanti in Mittelgriechenland, eine Minute von der Domaine Hatzimichalis entfernt, und ist nicht mit dem fast gleichnamigen Ktima Papoutsis aus Nemea zu verwechseln. Giorgos und Despoina Papoutsis, beide Agronomen und Önologen, führen das kleine Bio-Gut, und der Rigma ist ihr regulärer Fassrotwein. Man erwartet von ihm zunächst nicht viel. Den Jahrgang sucht man auf dem Etikett vergebens, es ist der 2022er, und 13,5 Prozent Alkohol wirken moderat. Das Rückenetikett ist dafür schön transparent und nennt die 15 Prozent Cabernet Sauvignon ausdrücklich. Merlot und Cabernet wurden gemeinsam vergoren, neun Monate in französischer Eiche ausgebaut und anschließend zweieinhalb Jahre auf der Flasche gereift. Die Reben stehen unbewässert in Megaplatanos auf Lehm-Kalk-Böden.
Als Jahrgang steht 2022 in Lokris, zu dem das Atalanti-Tal gehört, bei 8,0 von 10 und damit deutlich über dem griechischen Median von 6,5. Den Rigma Merlot 2020 hatte ich im April 2022, rund eineinhalb Jahre nach der Lese, bei 90+ Punkten (16,5 von 20) im Glas – damals mit 13 Prozent Alkohol, acht Monaten Fass und einem Tannin, das der Cabernet-Anteil hereinbrachte und das noch zu adstringierend war.
Im Glas zeigt der 2022er eine gewisse Trübe, ohne undurchsichtig zu wirken. In der Nase merkt man etwas Atalanti-Stilistik, die in Richtung des großen Nachbarn Hatzimichalis geht, viel Himbeere und Nougat, dazu durchaus wahrnehmbarer Alkohol. Am Gaumen ist der Rigma erst anschmiegsam, bringt im Mittelteil ein klein wenig Olive, bleibt aber deutlich im fruchtigen Bereich, beinahe eine Spur zu viel Fruchtsüße, ein wenig aufgeregt, und darin zeigt sich, dass er nicht in die Spitzenkategorie gehört. Himbeere, Nougat und Olive – genau diese drei Aromen hatte ich auch beim Hatzimichalis Merlot Alargino 1992 (93 Punkte, verkostet 2025) notiert. Vom Gaumeneindruck her hätte ich mir hier eher 15 Prozent Cabernet Franc vorstellen können als den Cabernet Sauvignon, der auf dem Etikett steht. Entscheidend ist der Nachhall, der wirklich beeindruckt. Er macht Platz für gute Salzigkeit und Nelke und läuft mehr als nur mittellang aus. Ein Wein, für den man sich auch in Saint-Émilion bei weitem nicht schämen müsste.
Bis hierhin wären das eigentlich klar 90 Punkte. Kehrt man dann aber vom Gaumen zur Nase zurück, ist der Wein noch einmal ansprechender und steht sogar eine Liga darüber. Das ist einerseits tatsächlich auch negativ, weil man merkt, dass der Wein als Ganzes eben nicht auf diesem ganz hohen Niveau mitspielen kann. Andererseits muss in der Bewertung eine Rolle spielen, dass das allein von der Aromatik in der Nase ein Top-Merlot Griechenlands sein könnte.
In Griechenland kostet der Wein rund 9 Euro. Für mich sind das 91 Punkte. Und das ist, das kann man nicht anders sagen, für einen Wein unter 10 Euro phänomenal gut.

Verkostet: September 2026
Andere Jahrgänge:
Ktima Papoutsi – Rigma Merlot 2020 (90+, 2022)