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Ktima Kir-Yianni – Ramnista 2021

Single Vineyard

PDO Naoussa
100% Xinomavro
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5%

Der Ramnista ist der Traditionswein unter den Xinomavro von Kir-Yianni, reinsortig und PDO Naoussa. „Single Vineyard“ meint hier nicht eine winzige Parzelle, sondern neun ausgewählte Stücke des Gutsweinbergs bei Giannakochori, mit Ausrichtungen von Nord und Nordwest über Ost bis Südost und West, auf Böden von sandigem bis tonigem Lehm. Sieben davon wurden zwischen 1970 und 1973 gepflanzt, waren zur Lese also rund 48 bis 51 Jahre alt, die beiden anderen sind von 2006 und 2010; erzogen wird im Doppelkordon mit 3.000 bis 4.000 Reben je Hektar. Der Name bedeutet im lokalen Sprachgebrauch „königlicher Hügel“. 2002 wurde gar kein Ramnista abgefüllt, eine Selektionsentscheidung des Guts.

Die Handlese begann 2021 in der ersten Parzelle am 21. September, es folgten fünf Tage Kaltmazeration bei 8 bis 10 Grad, die Gärung in französischen Holzgärständern und Edelstahltanks zu je fünf Tonnen bei 17 bis 23 Grad mit Pigeage und Überpumpen, zwei bis sechs Tage Nachmazeration und die malolaktische Gärung. Jede Parzelle wird getrennt vinifiziert, reift 14 Monate in französischer Eiche von 225 und 500 Litern erster bis dritter Belegung, und erst danach wird der Wein aus den Parzellenpartien zusammengestellt. Herausgekommen sind 14,5 Prozent Alkohol bei 5,6 Gramm Gesamtsäure pro Liter und einem pH von 3,57.

Mit dem Ramnista verbindet mich eine gewisse Hassliebe. Früher, als ich mich noch kaum für Wein interessierte, habe ich ihn oft und gern getrunken, ohne mir die Jahrgänge zu merken. Seit ich mich professioneller mit griechischem Wein beschäftige, hatte mich aber eigentlich kein Jahrgang mehr restlos überzeugt. Den 2006er hatte ich in der Xinomavro-Masterclass 2024 mit 18 Jahren im Glas, mit feinen Tanninen, aber schon zu wenig Primärfrucht, 86 Punkte. Ebenfalls in der Masterclass kam der 2017er auf 90, runder und mit Rosinen, aber mit zu wenig Komplexität für Namen und Jahrgang, der leicht korkige 2018er ebenfalls auf 90 und der 2019er auf 88, überraschend weit gealtert und mit verblassendem Abgang, sodass ihn die einfachere Cuvée Villages 2019 mit 90 sogar knapp überholte. Und im Mai 2026 war auch der 2010er mit 16 Jahren wieder einer, der mich nicht wirklich überzeugt hat, 88 Punkte.

Ende September 2026 brachte ich drei Xinomavro des Guts zu einem Spieleabend bei Freunden mit, die sich mit griechischem Wein bestens auskennen – den Einstiegswein Naoussa Cuvée Villages 2022, den Diaporos 2020 und diesen Ramnista 2021. Ich mischte die Flaschen, steckte sie in Tüten und riet selbst mit. Den Ramnista vermutete ich in Glas eins – mal wieder einer, dachte ich, der mich nicht überzeugt und, obwohl ein Jahr jünger als der Diaporos, schon ein paar Jahre älter wirkt. Glas drei hielt ich dagegen für den Diaporos, die pfeffrige Note schien mir unverkennbar. Großspurig verkündete ich das beim Öffnen, und die Blamage war groß, denn der Ramnista versteckte sich in Säckchen drei, und was ich für Diaporos-Pfeffer hielt, war sein eigener.

Als Jahrgang war 2021 in Naoussa der schwächste der drei des Abends. In meiner Jahrgangsdatenbank steht Naoussa rot bei 7 von 10, ein eleganter Jahrgang mit hoher Säure, bei dem viel vom Lesezeitpunkt und von der Auswahl abhing, während 2020 und 2022 je 8 erreichen. National fiel 2021 mit 5,5 deutlich ab, das Jahr der historischen Hitzewelle Ende Juli und der großen Waldbrände im Norden Euboeas, in Attika und auf dem Peloponnes. In Makedonien verzögerte ein kalter März den Austrieb, gelesen wurde der Xinomavro in Naoussa spät, vom 21. September bis 10. Oktober. Kir-Yianni selbst beschreibt nach einem trocken-heißen, krankheitsfreien Sommer einen ausgesprochen gleichmäßigen, phenolisch reichen Jahrgang, bei Erträgen 10 bis 15 Prozent unter 2020. Aus Naoussa 2021 hatte ich bislang nur den Earth and Sky von Thymiopoulos im Glas, 2024 mit drei Jahren, bei 91 Punkten. Den besten Wein des Abends brachte nun ausgerechnet dieser schwächste Jahrgang.

Glas drei war schon farblich dichter als die beiden anderen, in der Nase waren Brombeere und Himbeere dabei. Am Gaumen packendes Tannin, hier sehr gut im Konzert mit der Säure, mit gutem Zug und langem, pfeffrigem Nachhall.

Im Direktvergleich überzeugte er deutlich mehr als der Diaporos 2020 und die Cuvée Villages 2022, ein toller Wein und mein bislang am höchsten bewerteter Ramnista, einer, der so richtig unerwartet auftrumpft. Eigentlich hätte er sogar ein Plus hinter der Punktzahl verdient. Darauf wetten mag ich aber nicht, dafür hatte ich mit gereiften Ramnistas zu oft Pech, was allerdings auch an der Lagerung gelegen haben kann. Monica Larner gab ihm im Wine Advocate im Juni 2026 93 Punkte, der 2015er hatte dort 91 bekommen und der 2016er 92. In Griechenland kostet der Wein rund 22 Euro. Wer Ramnista probieren möchte, soll es von einem Ramnista-Skeptiker hören. Kauft den 2021er, das ist großes Kino für diesen Preis. Für mich sind das 93 Punkte.

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Verkostet: September 2026

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