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Ktima Kir-Yianni – Diaporos 2020

Single Vineyard

PGI Imathia
87% Xinomavro, 13% Syrah
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
15%

An einem Spieleabend bei Freunden, die sich mit griechischem Wein bestens auskennen, habe ich drei Xinomavro von Kir-Yianni blind in Tüten gesteckt und selbst mitgeraten, nämlich den Einstiegswein Naoussa Cuvée Villages 2022, den Traditionswein Ramnista 2021 und den Diaporos 2020, um den es hier geht. Anders als die beiden Naoussa-PDO-Weine trägt der Diaporos die Appellation PGI Imathia, und der Grund liegt im Blend – 87 Prozent Xinomavro, 13 Prozent Syrah, während PDO Naoussa reinsortigen Xinomavro verlangt. Der Xinomavro stammt aus Block 5, gepflanzt 1972, dessen höchste Bereiche 230 bis 240 Meter erreichen; der Syrah kommt aus zwei nordexponierten Blöcken von 1987. „Single Vineyard“ meint dabei den Gutsweinberg bei Giannakochori, nicht eine winzige Einzelparzelle, und auch der Name führt eher in die Irre, denn er verweist auf die Insel Diaporos vor Sithonia, den Rückzugsort der Familie Boutaris, während die Trauben in Naoussa wachsen.

Im Keller werden die beiden Sorten getrennt vinifiziert und ausgebaut und erst danach verschnitten. Der Xinomavro geht nach einer siebentägigen Kaltmazeration in offene französische Holzgärständer und reift anschließend rund 16 Monate in Barriques erster und zweiter Belegung, der Syrah 14 Monate mit einem Fünftel neuem Holz. Herausgekommen sind 15 Prozent Alkohol bei 5,1 Gramm Gesamtsäure pro Liter.

Als Jahrgang war 2020 in Naoussa ein sehr guter für Xinomavro, in meiner Jahrgangsdatenbank 8 von 10, trocken-warm bei erhaltener Tag-Nacht-Amplitude, und die gefürchtete Herbstfäulnis am spätreifen Xinomavro blieb aus. Das Weingut selbst beschrieb für die Diaporos-Parzellen allerdings eine verzögerte, ungleichmäßige Reife. Umso mehr überrascht, wie weit entwickelt sich diese Flasche mit sechs Jahren zeigt.

Der erste Wein im Glas verriet die Rebsorte sofort. In der Nase sehr viel getrocknete Tomate, ein wenig Erde und viel Erdbeere, farblich aber schon einige Alterungsnoten. Am Gaumen ein feines, dabei dichtes Tannin und ein recht oxidativer, rosiniger Abgang. Auf Xinomavro zu kommen war nicht schwer, im richtigen Jahrgangsspektrum zu landen dagegen schon, die meisten am Tisch gingen mindestens fünf Jahre weiter in die Vergangenheit. Ich selbst hatte den Ramnista im Verdacht, mit dem mich eine gewisse Hassliebe verbindet, und war mir sicher, dass es der Diaporos nicht sein konnte. Großspurig verkündete ich beim Öffnen, Glas drei sei der Diaporos, die pfeffrige Note unverkennbar. Die Blamage war groß, denn in Säckchen drei versteckte sich der Ramnista. Weiß man es, kommen einem beim ersten Glas dann doch wieder Tabak und Leder in den Sinn.

Und ich bin ein bisschen enttäuscht von diesem Diaporos 2020. Den 2018er hatte ich sehr gut in Erinnerung. In einer großen Xinomavro-Masterclass mit 49 Weinen kam er 2024, ebenfalls mit sechs Jahren, auf 94 Punkte, die zweitbeste Wertung des ganzen Feldes und der beste Kir-Yianni, übertroffen nur vom Thymiopoulos Vrana Petra 2017. Ein feiner Wein ist der Diaporos durchaus, einer, der den Xinomavro vom ersten Schnüffeln ins Zentrum stellt und, wenn man länger daran sitzt, recht filigran ist und zum Nachdenken anregt. Im Direktvergleich dieses Abends überzeugte der Ramnista 2021 einfach deutlich mehr.

Monica Larner sah den 2020er höher, als ich ihn an diesem Abend erlebt habe, und gab ihm im Wine Advocate im Juni 2026 94 Punkte – dieselbe Note, die der Diaporos dort für 2016 bekam, während 2017 bei 95 und 2018 bei 92+ lagen. Beim Diaporos würde ich zu einem anderen Jahrgang greifen. In Griechenland kostet der Wein rund 45 Euro. Für mich sind das 91 Punkte.

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Verkostet: September 2026

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