Ktima Gerovassiliou — Evangelo 2019
92% Syrah, 8% Viognier
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
14,5%
Der Evangelo 2019 von Ktima Gerovassiliou ist ein Blend aus 92% Syrah und 8% Viognier aus Makedonien, Nordgriechenland — ein Wein, den ich seit der Verkostung des Jahrgangs 2012 im Jahr 2015 nicht mehr probiert hatte. Mein erneutes Interesse wurde geweckt, nachdem der griechische Weinkritiker Simos Georgopoulos dem Jahrgang 2021 nur 6 von 10 Punkten gab, ihn als übermäßig tanninbetont und bitter kritisierte und seinen Status als Flaggschiff-Rotwein des Weinguts infrage stellte. In der Nase zeigt der 2019er Zimt, Pfeffer und Minze — vielversprechend, aber noch zu jung. Am Gaumen wirkt er unterentwickelt, mit überraschend weichen Tanninen und kurzem Abgang. Eine Kakaonote lässt mich vermuten, dass dieser Wein schnell von zu jung zu schon über dem Zenit kippen könnte, ohne je einen echten Höhepunkt zu erreichen. Die Entwicklung über mehrere Tage in der offenen Flasche war ebenso besorgniserregend. Tatsächlich war meine breitere Erfahrung mit dem Evangelo und Gerovassilious reinsortigen Syrah frustrierend: Zuletzt wirkten der 2019er und der 2014er auf mich entweder zu jung oder schon über ihren Zenit hinaus, was auf ein enges Trinkfenster hindeutet. Viele griechische Weinliebhaber schwören auf diese Weine, aber mir ist es nie gelungen, einen auf seinem Höhepunkt zu erwischen. Mit 91 Punkten ist der Evangelo 2019 ein ordentlicher Wein, aber ein „Plus" für Reifepotenzial kann ich nicht vergeben. Bei rund 35 Euro darf man die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis stellen: Zum Vergleich — der Côte-Rôtie Brune et Blonde 2019 von Domaine Guigal (96% Syrah) ist deutlich lebendiger und ausdrucksstärker und kommt auf 93 Punkte — kostet allerdings etwa 20 Euro mehr. Ob der Guigal wirklich das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, darüber lässt sich streiten, aber der Evangelo hat mich nicht restlos überzeugt. Ich frage mich auch, ob der Evangelo wirklich der Flaggschiff-Rotwein des Weinguts ist oder eher der persönliche Favorit des Winzers — ein Titel, der vielleicht eher der Museum Collection gebührt, die ich seit Jahren nicht mehr verkostet habe. Ich bin nach wie vor sehr offen dafür, mich von einer perfekt gereiften Flasche eines Besseren belehren zu lassen.
Verkostet: 2024