Estate Manolesakis – EXIS Vidiano 2025
100% Vidiano
Makedonien, Griechenland
Weißwein | trocken
12%
Den Namen erklärt der Wein selbst, auf dem Rücketikett. EXIS verweist auf das griechische ἕξις, eine erworbene Haltung, eine Fähigkeit, die man sich durch Übung und Erfahrung aneignet. Estate Manolesakis liegt in Adriani in Drama, Nordostmakedonien. Innerhalb der EXIS-Linie des Hauses steht der Vidiano preislich über dem EXIS weiß aus Malagousia und Assyrtiko. Er ist eine junge Abfüllung. Vidiano ist die jüngste Neupflanzung des Guts. Als Giannis Mouratidis im Oktober 2024 für Grape über den Betrieb schrieb, war eine Vidiano-Abfüllung des Hauses noch ein Versuch. Im Glas sind 100 Prozent Vidiano mit 12 Prozent Alkohol. Der Wein trägt keine geschützte Herkunftsbezeichnung. Auf dem Rücketikett steht ΠΟΙΚΙΛΙΑΚΟΣ ΟΙΝΟΣ, Sortenwein.
Giorgos Manolesakis betreibt seit 1989 Weinbau in Adriani, 1998 wurde das Kellereigebäude fertiggestellt. Heute arbeitet er gemeinsam mit seinem Sohn Stavros auf rund 20 Hektar eigener Reben, Önologin des Guts ist Katerina Karampatea. Die Familie stammt aus Kreta. Stavros hat im April 2024 im Gespräch mit Angelos N. Vassos für Citymag von seiner engen Bindung an die Insel erzählt. In Drama keltert die Familie nun einen Vidiano, einen nordgriechischen Vidiano von einer Familie kretischer Herkunft. Er wächst auf einer eigenen Parzelle von 0,27 Hektar, auf tonhaltigem Boden mit kleinen Kalksteinen und guter Drainage. Gelesen wird von Hand und nachts. Im Keller folgen eine vorgärige Kaltmazeration und eine temperaturkontrollierte Gärung mit abgestuften Temperaturen, wobei ausschließlich der frei ablaufende Most verwendet wird. Danach liegt der Wein vier Monate auf der Feinhefe.
Verkostet habe ich ihn im Oktober 2026 als Muster, rund ein Jahr nach der Lese, und zwar in einer Weißweinprobe zu Vidiano und Assyrtiko. Den Auftakt machten die Vidianos, zuerst der Wein mit Eichenfass, der Passas Bidiano 2024 aus Xanthi, dessen Feinhefelager im Holz stattfindet. Dann ging es um Kreta gegen Nordgriechenland mit dem Diamantakis Vidiano 2025 und dem Diamantopetra White 2025 desselben kretischen Guts. Auf der Assyrtiko-Seite standen der Diamantakis Petali Assyrtiko 2025, der Kir-Yianni Assyrtiko The North 2025 und der Kir-Yianni Single Block Tarsanas 2023, und am Ende sollte die Frage nach der Säure geklärt werden. Der EXIS Vidiano war in diesem Feld der einzige Wein aus Drama. Mit 12 Prozent hatte er auch den niedrigsten Alkohol, die anderen Weine lagen zwischen 12,5 und 14 Prozent.
Mit Vorschusslorbeeren kam er ins Glas. Bei der Berliner Wein Trophy 2026 wurde er mit Gold ausgezeichnet, laut Weingut gab es beim Mondial des Vins Blancs Strasbourg 2026 zudem Silber.
In der Nase ist das ein ausgesprochen aromatischer Vidiano, recht international, recht exotisch in der Frucht, dazu etwas Pfirsich. Auch im Antrunk ist der Wein sehr gut. Das Problem ist bei diesem Wein etwas die Disbalance zwischen diesem Antrunk und dem etwas metallischen Abgang. Mit genügend Kühlung hält sich das Metallische allerdings in Schach. Zu warm darf man diesen Wein nicht trinken. Das Gut empfiehlt 8 bis 10 Grad, und daran sollte man sich halten.
Im Vidiano-Block der Probe liegt er damit am unteren Ende. Der Passas Bidiano kam bei mir auf 92 Punkte, der Diamantakis Vidiano auf 90. Gleichauf steht er mit dem Kir-Yianni Assyrtiko The North. Im eigenen Haus reiht er sich in die EXIS-Linie ein. Den EXIS weiß 2025 und den EXIS rot 2025 hatte ich im August 2026 im Glas, und beide lagen bei 88 Punkten. Die reinsortige Malagouzia 2025 aus demselben Monat erreichte 92. Der EXIS Vidiano kostet rund 10 Euro in Griechenland, und mit dem Kühlschrank im Rücken bekommt man dafür einen ausgesprochen aromatischen Vidiano. Für mich sind das 88 Punkte.

Verkostet: Oktober 2026