Diofili — Pinot Noir 2019
100% Pinot Noir
Makedonien, Griechenland
Rotwein | trocken
13,5%
Pinot Noir aus Griechenland ist eine Seltenheit – und gelingt noch seltener. Das Weingut Dio Fili („Zwei Freunde“) in Siatista (Kozani, Westmakedonien), 2006 aus der Freundschaft des Winzers Yiannis Boutaris mit dem Ehepaar Georgia Goutziamani und Yiannis Polizos hervorgegangen, wagt sich seit Jahren an einen reinsortigen Pinot Noir. Die Voraussetzungen sind dabei besser, als man zunächst denken könnte: Die eigenen Weinberge liegen auf rund 650 m Höhe, mit kühlen Nächten, starken Luftströmungen und steinigen, kalkbeeinflussten Böden. Der Ertrag ist laut Weingut mit 500 kg/Stremma (entspricht ca. 5 t/ha) sehr niedrig; das englische Rücketikett gibt „500 kg per acre“ an, wohl eine Verwechslung von στρέμμα (0,1 ha) und Acre (0,4 ha) in der Übersetzung (eine naheliegende immerhin: Beide Einheiten waren historisch identisch definiert, als die Fläche, die ein Ochsengespann an einem Tag pflügt).
Als PGI Siatista darf sich der Wein trotz seiner eindeutigen Herkunft nicht bezeichnen: Das offizielle technische Dossier der Herkunftsangabe lässt bei den roten Sorten nur Xinomavro, Moschomavro, Chondromavro, Merlot, Cinsault und Cabernet Sauvignon zu – Pinot Noir fehlt. Er läuft daher als einfacher Rebsortenwein (Ποικιλιακός Οίνος). Ausgerechnet Dio Fili gehörte dabei, als Gesellschaft Goutziamani–Boutaris, seinerzeit zu den Antragstellern eben dieser PGI. Der Ausbau erfolgt – nach den für den Folgejahrgang dokumentierten Kellerdaten – in Eichenfässern bis 300 l mit bis zu zwölf Monaten Reife vor der Füllung; vermerkt sind dort auch 12.000 Flaschen Produktion. Im griechischen Handel kostet der Wein um die 13 bis 16 €. Der Jahrgang 2019 gilt in Nordgriechenland als einer der besten der Dekade: ein später, regenreicher Start, dann ab Mitte Juli eine lange, trockene Reifephase, die konzentrierte, gesunde Trauben brachte.
Die Messlatte lag dabei durchaus hoch: Den 2017er feierte Simos Georgopoulos im FNL Guide mit 8/10 als beispielhaften griechischen Pinot Noir – Veilchen, Brombeere, getrockneter Estragon, ein mittlerer Körper, der die Frische vor ein ledriges Fundament stellt – und hob ihn ins Pantheon der besten einheimischen Vertreter der Sorte, Seite an Seite mit dem Sole von Biblia Chora. Beim 2019er deutete sich freilich früh an, dass etwas nicht stimmt: Beim Internationalen Weinwettbewerb Thessaloniki 2023 kam er über 84 Punkte nicht hinaus und blieb ohne Medaille – bei einem Wettbewerb, der gut drei Viertel der eingereichten Weine prämiert. Das Glas bestätigt den Verdacht.
In der Nase präsentiert sich der unfiltrierte Wein nussig – als hätte er zehn Jahre mehr auf dem Buckel. Was das Weingut als Stilmerkmal bewirbt (Nüsse, Trockenfrüchte), entpuppt sich im Glas als Reife der unerfreulichen Art: Am Gaumen oxidativ ohne Ende, mineralisch – nein, nicht mineralisch: metallisch. Dazu von ernüchternder Substanzarmut – Wasser mit Tannin. 81 Punkte.
Eine Spur bieten immerhin die Kellerdaten des Folgejahrgangs, die eine Gesamtsäure von 4,27 g/l ausweisen. Das ist für Pinot Noir auffallend wenig: Alpha Estates Amyndeon-Pinot, ebenfalls westmakedonisches Hochland, lag 2020 bei 5,58 g/l und hielt selbst im heißen Jahrgang 2019 noch 5,90 g/l. Ins Bild einer Alterung im Zeitraffer passt das allemal.
Griechenland wird nie die elegantesten Pinot Noirs hervorbringen, aber mit etwas Extrakt lassen sich durchaus schöne Tropfen gewinnen. Dieser hier geht völlig in die falsche Richtung.
Verkostet: 2026