Diamantakis Winery – Petali weiß 2025
Assyrtiko
PGI Kreta
100% Assyrtiko
Kreta, Griechenland
Weißwein | trocken
13,5%
## Diamantakis Winery Petali weiß 2025 (91)
Der Petali Assyrtiko ist bei Diamantakis der reinsortige Assyrtiko, 100 Prozent, und steht im Weißweinsortiment des Hauses über dem Prinos und dem Vidiano, aber unter der Diamantopetra. Den ersten Jahrgang gab es 2016, damals noch schlicht als Diamantakis Assyrtiko. Der heutige Name spielt aufs Handwerk an. „Petali“ heißt der Tritt eines Webstuhls. Das Rücketikett erzählt, die Nonnen des Klosters Agios Antonios hätten zur venezianischen Zeit so laut gewebt, dass man es bis Asites hörte, dort, wo heute der Assyrtiko wächst. Auf dem Etikett sind die hölzernen Tritte abgebildet. So erzählt es das Gut, eine unabhängige historische Bestätigung gibt es dafür nicht.
Die Trauben stammen aus den Flächen Korfi und Kaminia bei Kato Asites im Regionalbezirk Heraklion. Das Weingut selbst liegt am Ausläufer des Psiloritis. Die Flächen liegen auf 430 bis 550 Metern, sind nordöstlich exponiert, bekommen die Winde von der Ägäis ab und stehen auf kalk- und tonreichen Böden mit Kalkstein. Für 2025 meldet das Gut, dass es in allen Weinbergen Zeolith gegen frühen Wasserstress ausgebracht hat. Vergoren wird im Edelstahl bei 14 bis 18 Grad, danach liegt der Wein drei Monate auf der Feinhefe, Holz sieht er keines. Verantwortlich ist Zacharias Diamantakis, der in Athen Önologie und Getränketechnologie studiert und das Gut 2007 mit seinen Brüdern Michalis und Ioannis gegründet hat. Heute bewirtschaften die drei 15 Hektar auf etwa 30 Parzellen. Abgefüllt ist der Wein als PGI Kreta. Weißwein aus Assyrtiko fällt nicht unter die örtliche PDO Dafnes, die dem Liatiko vorbehalten ist. Er bringt 13,5 Prozent Alkohol mit. Das Datenblatt nennt 6,2 Gramm Gesamtsäure bei pH 3,31, mehr als die 5,7 Gramm des 2024ers.
Die Erwartungen von außen sind ordentlich. Für den 2025er meldet das Weingut Silber mit 90 Punkten bei den Decanter World Wine Awards 2026, Silber bei der Thessaloniki Wine Trophy 2026 und ein „Highly Commended“ bei The Wine Merchant Top 100 2026. Simos Georgopoulos gab dem 2024er im FNL Guide 8 von 10 und hob ausgeprägte Zitrusnoten und lebendige Säure hervor. Greg Sherwood MW beschrieb den 2023er in Wine Safari mit heller Frucht, Zitrus, saftiger Textur und salzig-würzigem Abschluss. In derselben Vertikale, veröffentlicht im September 2024, bewertete er den 2016er, noch unter dem alten Namen, mit 92+, den 2018er mit 91 und den 2023er mit 91+. Die älteren Flaschen zeigten laut Sherwood erhaltene Frische und zusätzliche Reifekomplexität.
Verkostet habe ich ihn im Oktober 2026 als Muster in einer gemeinsamen Weißweinprobe. Sie führte vom Vidiano zum Assyrtiko, stellte Kreta gegen Nordgriechenland und kreiste vor allem um die Säure. Am Anfang standen die Vidianos, darunter der Passas Bidiano 2024, der Manolesakis EXIS Vidiano 2025 und der Vidiano 2025 von Diamantakis selbst. Dann folgte die im Holz ausgebaute Diamantopetra White 2025 des Hauses. Als sechster Wein kam der Petali und zum Schluss die beiden Assyrtikos von Kir-Yianni aus dem Norden, The North 2025 und Single Block Tarsanas 2023. Die drei Diamantakis-Weißen hatten wir nicht zum ersten Mal nebeneinander im Glas. 2023 standen schon die Diamantopetra White 2021 mit 93 Punkten, der Petali 2021 mit 90 und der Vidiano 2021 mit 87 zusammen auf dem Tisch, und die Diamantopetra hat uns damals beim Säureeindruck verblüfft. Den Petali 2021, bei der Verkostung rund zwei Jahre alt, fanden wir ziemlich gut. Ich habe ihn damals als sehr gute Alternative zu Santorini notiert, für alle, die bei einem kretischen Assyrtiko mehr Insel-Flair suchen, mit Eleganz, erfrischender Salzigkeit und langem Abgang. Blind, so schrieb ich, würde jeder an die Vulkaninsel denken, und für um die 10 Euro bekomme man das auf Santorini nie und nimmer.
Der 2025er ist tatsächlich ein Wein, der heute ganz schön Spaß macht, aber auf andere Art. Er ist weich, hat viel Banane in der Nase und viel Honig am Gaumen. Gefühlt hat er deutlich weniger Säure als der Vidiano des Hauses mit seiner beinharten Säure und auch weniger als die Diamantopetra, wobei die eben im Holz liegt, was natürlich viel verzerrt. Analytisch betrachtet stimmt das mit dem „deutlich“ natürlich nicht ganz so. Es ist absurd, aber in dieser Kombination mit den anderen Weinen gewinnt der Petali gerade durch seine Weichheit, und man kann das kaum genügend betonen. Fast anschmiegsam ist er und der süffigste Wein der ganzen Probe. Die Diamantopetra White war für mich ein Zwischenstück zwischen dem zahmen Assyrtiko und dem wilden Vidiano des Hauses, und der Vidiano selbst war mir zu kantig.
Von der Santorini-Alternative, die ich im 2021er gesehen habe, ist dieser Jahrgang damit ein Stück abgerückt. Statt Salzigkeit und Eleganz stehen Banane, Honig und Weichheit vorn. In der Nase näher an Santorini lag in dieser Runde der The North aus dem Norden, auch wenn mir dort ebenfalls ein wenig viel Banane begegnete. Wer bei den Weinen dieser Verkostung einfach einen erfrischenden Wein für einen heißen Sommernachmittag sucht, muss ganz eindeutig zum Petali greifen. Wer Konkurrenz zu den großen Weinen Santorinis sucht, sollte eher woanders schauen. Mehr dazu im Bericht zur gesamten Verkostung.
Der Wein kostet rund 10 Euro in Griechenland, so viel wie schon der 2021er. Für mich sind das 91 Punkte.

Verkostet: Oktober 2026
Andere Jahrgänge:
Diamantakis Winery – Petali weiß 2021 (90, 2023)