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Château La Gaffelière – Château La Gaffelière 2017

AOC Saint-Émilion Grand Cru
60% Merlot, 40% Cabernet Franc
Bordeaux, Frankreich
Rotwein | trocken

Es gibt Vergleiche, die man nicht plant. Château La Gaffelière stand hier eigentlich nie als Gegner des Cyrus One zur Debatte – ein Premier Grand Cru Classé gegen den Zweitwein eines griechischen Guts wäre ein schiefer Ansatz gewesen, zumal dieses Haus bereits als Referenz für den Erstwein von La Tour Melas gedient hatte. Dass beide Flaschen dann zufällig gleichzeitig offen standen, hat die Frage trotzdem gestellt. Und die Antwort fiel anders aus als erwartet.

Der 2017er ist ein Kind seines Jahrgangs, und dieser Jahrgang war in Bordeaux schwierig: Der schwere Aprilfrost kostete massive Erträge, der Vegetationsverlauf war früh, zur Lese kam Regen. In unserer Jahrgangsdatenbank steht 2017 mit 6,5 von 10 deutlich unter dem Bordeaux-Median von 7,25 – und vor allem unter den 8,5 des Jahrgangs 2019, aus dem der hier bereits verkostete La Gaffelière mit 93+ Punkten stammt. Es ist ein Jahrgang der Topographie: Wer höher lag, kam durch; wer in den Senken saß, verlor. La Gaffelière traf es an den tiefer gelegenen Parzellen, das technische Blatt nennt rund 35 Prozent Produktionsverlust. Was in die Flasche kam, ist also bereits das Ergebnis einer harten Auslese.

Im Glas ist davon eine eigentümliche Zweiteilung geblieben. Das Tannin ist noch reichlich vorhanden und macht sich auch bemerkbar – dahinter aber wirkt der Wein erstaunlich flach, und er zeigt bereits recht deutlich oxidative Züge, dazu etwas Aubergine. Was ihn hält, ist eine gute Salzigkeit; sie gibt dem Mittelbau Kontur, wo sonst Frucht stehen müsste. Für einen Wein dieser Adresse, neun Jahre nach der Ernte, ist das früh. Ausdrücklich gilt das für diese Flasche: Ein einzelner Auftritt ist kein Urteil über einen Jahrgang, und auf den besseren Terroirs sind 2017 sehr gute Weine entstanden.

Die Kritik ist sich bei diesem Wein bemerkenswert uneins, und die Spanne ist größer als bei den meisten Weinen dieses Ranges. Der Wine Advocate vergab in der finalen Rezension vom März 2020 97 Punkte und ein Trinkfenster bis 2054, Falstaff kam auf 95, Jeb Dunnuck dagegen auf 91. Sechs Punkte Unterschied bei derselben Flaschenfüllung – das ist kein Rundungsproblem, sondern eine echte Meinungsverschiedenheit darüber, wie viel Zukunft man diesem Wein zutraut. Der Eindruck hier liegt näher bei Dunnuck als bei Perrotti-Brown.

Zum Haus gehört eine Klarstellung, die ihm regelmäßig verlorengeht: Château La Gaffelière ist nicht Château Canon-La-Gaffelière. Das sind zwei verschiedene Güter in Saint-Émilion, und der historische Name La Gaffelière-Naudès ist kein Alternativname dieses Weins. In der Klassifikation von 2012 stand dieses Haus als Premier Grand Cru Classé – ein Status, den der 2017er trägt. Dass die Familie sich 2022 aus der Klassifikation zurückzog, ändert daran nichts; die Entscheidung wirkt nicht zurück.

Die Zusammensetzung ist gut belegt und dennoch nicht unstrittig: Die Produzentenseite nennt für 2017 60 Prozent Merlot und 40 Prozent Cabernet Franc, Wine Anorak und Le Monde bestätigen das. Jeb Dunnuck und die abschließende Wine-Advocate-Rezension führen dagegen 70 zu 30. Hier gilt die Angabe des Guts – aber der Widerspruch gehört genannt, nicht geglättet. Ausgebaut wurde 15 Monate in 50 Prozent neuem Holz.

Bleibt das Ergebnis des ungeplanten Vergleichs, und es fällt eindeutig aus: Gegen den sechs Jahre alten griechischen Zweitwein, der keinerlei oxidative Müdigkeit zeigt, wirkt der Premier Grand Cru Classé an diesem Abend älter, als er ist. Das ist kein Urteil über La Gaffelière als Haus. Im Gegenteil: Mit 94 Punkten liegt dieser 2017er praktisch gleichauf mit dem hier verkosteten 2019er (93+) – und das, obwohl die Jahrgangsdatenbank zwei volle Punkte zwischen die beiden Jahre legt. Wer aus dem Frostjahr 2017 einen Wein auf diesem Niveau in die Flasche bringt, hat auf schwierigem Terrain sehr ordentlich gearbeitet. Was hier zu kurz kommt, ist nicht die Qualität, sondern die Frische.

Verkostet: August 2026

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