Boutari — Nemea 1998
PDO Nemea
100% Agiorgitiko
Peloponnes, Griechenland
Rotwein | trocken
11,5%
Der Boutari Nemea 1998 (PDO Nemea, 100% Agiorgitiko, 11,5%). Boutari ist eines der traditionsreichsten Weinhäuser Griechenlands, 1879 in Naoussa gegründet, erste Exporte ab 1935. In den 1980er Jahren expandierte das Haus nach Nemea, und der Agiorgitiko Boutari wurde Teil des Kernportfolios – eine Standardabfüllung, kein Reserve-Wein, damals in Irland für knapp 10 Euro zu haben. Die Hoffnungen für eine über ein Vierteljahrhundert alte Standardflasche waren naturgemäß nicht sehr hoch. Allerdings machten wir uns, zugegebenermaßen, doch ein wenig Hoffnung. Denn 2022 hatte Pavlos Gegas dem nur fünf Jahre jüngeren Boutari Nemea 2003 immerhin 91 Punkte gegeben – und das bei einer Flasche, die nicht einmal aus idealer Lagerung stammte. Gegas beschrieb einen Wein mit echtem tertiärem Reichtum: Johannisbrot, Kastanie, Espresso, gereifte Schokolade, glasierte Pflaumen- und Kirschfrucht, dazu Leder, gerösteter Knoblauch, getrocknete Kräuter und Anklänge an Fine Tawny Port. Entscheidend: trotz der Reife noch erstaunliche Energie dank voll integrierter hoher Säure und niedrigem pH, vollständig aufgelöste Tannine, langer Nachhall. Sein Fazit: Der Wein lasse „das verborgene Potenzial des großen Agiorgitiko erahnen."\n\nAllerdings waren 1998 und 2003 auch ganz unterschiedliche Jahrgänge. 2003 war das europäische Hitzejahr, das auch Griechenland voll traf – mit sehr konzentrierten, strukturreichen Trauben und entsprechendem Lagerpotenzial. 1998 war laut einer wissenschaftlichen Studie zu Agiorgitiko in Nemea (Koundouras et al.) ebenfalls sehr heiß und ohne Sommerniederschlag, mit Wasserstress, beschleunigter Zuckerreife und phenolisch konzentrierteren Trauben auf den gestressten Parzellen. Umso rätselhafter sind die nur 11,5% Alkohol auf unserer Flasche – bei einem heißen, trockenen Jahr müsste man eigentlich mehr erwarten. Vermutlich spiegelt das eher die Weinbaupraxis eines großen Hauses in den späten 1990ern wider, als Konzentration bei einer Standardabfüllung noch kein vorrangiges Ziel war. Zum Vergleich: Auch der so viel besser bewertete 2003er kam nur auf 13% – auch nicht gerade üppig für ein Hitzejahr.\n\nSo viel zur Theorie. Was sagt nun die Realität im Glas? In der Nase überrascht der Wein und nimmt die karamellbraune Färbung auf die bestmögliche Weise aromatisch fort: sehr viel Toffee. Am Gaumen tut dem Wein dann gut, dass er bei nur 11,5% Alkohol eine ordentliche Säure mitbringt, die ihn durchgehend trägt, nirgends Schwächen aufkommen lässt und auch im Abgang noch kleinere Schwächen kaschiert. Überraschend, erfreulich: noch 90 Punkte – aber bitte kein Grund, einen solchen Wein noch weiter zu lagern.
Verkostet: Juni 2024