Boutari – Cava 1976
Xinomavro, Agiorgitiko
Griechenland
Rotwein | trocken
11,5%
Der Boutari Cava 1976 ist der älteste griechische Wein in meinen Notizen. Bisher hielt diesen Platz der Cavino Nemea 1978, den ich 2023 mit 45 Jahren bei 90 Punkten festgehalten habe. Diese Flasche hier war bei der Verkostung im Oktober 2026 rund 50 Jahre alt. Ersteigert habe ich sie, und sie war einer von vier Boutari-Weinen, die ich gemeinsam probiert habe – der aktuelle Cava 2020, die Grande Reserve 2013, die Grande Reserve 1993 und eben dieser 1976er.
Boutari wurde 1879 von Ioannis Boutaris in Naoussa gegründet, und als dieser Wein entstand, führten Giannis und Konstantinos Boutaris das Haus, die es 1968 übernommen hatten – noch bevor 1978 die Kellerei in Stenimachos eröffnete. Die Cava-Linie war spätestens 1974 im Handel, begonnen hatte sie in den frühen 1970ern, wie Dimitris Koumanis schreibt. „Cava“ steht dabei für gereifte Weine. Als Rechtskategorie wurde die Bezeichnung in Griechenland erst 1987 geregelt, 1976 war sie das noch nicht. Dass der Cava damals die gehobene Linie war, zeigt ein Preisvergleich von 1974. Der Cava kostete 90 Drachmen, der einfache Boutari 40, also mehr als das Doppelte. Heute hat sich das gedreht, der Cava steht bei Boutari unter „Our Brands“, während Grande Reserve und 1879 Legacy unter „Our Premiums“ stehen.
Die Rebsorten lassen sich für 1976 nicht sauber belegen. Nach der frühen Rezeptur, wie Koumanis sie beschreibt, sind es vermutlich Xinomavro und Agiorgitiko, Anteile sind nicht überliefert. Der Alkohol liegt bei 11,5 Prozent. Für 1976 hat meine Jahrgangsdatenbank keinen griechischen Wert. Die Erwartung kommt hier also nicht aus dem Jahr, sondern aus dem Alter und aus einer fremden Verkostung. Dimitris Koumanis hob den 1976er in seiner Cava-Vertikale für Heteroclito 2019 als einen der besonderen Jahrgänge hervor, erstaunlich lebendig, mit eher zurückhaltender Nase und elegant gereiftem Gaumen.
Davon war bei meiner Flasche wenig zu merken. Der Korken dieser Flasche war leider nicht mehr sehr ansehnlich, ziemlich geschrumpft, und es war schon eine Kunst, ihn überhaupt herauszubekommen. Im Glas eine recht bräunliche Färbung. Die Nase dann aber, anders als bei Koumanis, tatsächlich erstaunlich aromatisch, sehr viel süße Feigen, wirklich geradezu übertrieben expressiv. Am Gaumen aber dann eine recht unangenehme Säure, ein pappiger Abgang, ein pappiger Nachhall. Schade.
Das ist das Gegenstück zum jungen Cava 2020, den ich in derselben Probe bei 86 Punkten notiert habe. Dort eine ordentliche Säure, hier eine recht unangenehme; dort ein recht bitterer Abgang, hier ein pappiger; in der Nase dort etwas Sauerkirsche und ein klein wenig Kakao, hier sehr viel süße Feigen. Zwischen beiden liegen 44 Jahre und zwei Epochen der Rezeptur, nicht jeder Unterschied ist bloß Alterung.
Dieser 1976er wird schon ein ganz schönes Stück über seinem Höhepunkt sein, gerade erst gekippt ist er nicht. Mit nur noch 70 Punkten liegt er in der Probe 15 Punkte hinter der Grande Reserve 2013 mit 85, der Cava 2020 kam auf 86, die Grande Reserve 1993 auf 87. Für den 1976er selbst nenne ich keinen Preis, der aktuelle Cava kostet rund 12 Euro in Griechenland. Für mich sind das 70 Punkte. Aber was soll man noch mehr erwarten nach 50 Jahren bei einem solchen Wein?
70 Punkte

Verkostet: Oktober 2026
Andere Jahrgänge:
Boutari – Cava 2020 (86, 2026)