Jahrgang 2003
das Hitzejahr Europas · Griechenland am Rand · Weiß im Tiefland verloren
Landesweit 6,0 von 10 · Sicherheit der Einstufung: mittel
Santorini – Rot 6,5 · Weiß 7,5 (Sicherheit: mittel)
Naoussa – Rot 6,5 · Weiß 5,5 (Sicherheit: mittel)
Attika – Rot 6,5 · Weiß 4,5 (Sicherheit: mittel)
Nemea – Rot 6,0 · Weiß 5,0 (Sicherheit: mittel)
Mantinia – Rot 5,5 · Weiß 6,0 (Sicherheit: mittel)
Kreta – Rot 5,5 · Weiß 5,0 (Sicherheit: niedrig)
Peloponnes außerhalb von Nemea und Mantinia 6,0 (als Gesamtwert ohne Farbtrennung)
2003 ist in Europa das Jahr der Jahrhunderthitze, des heißesten Sommers seit mindestens 1540. Ihre Kernzone lag allerdings im Westen – Frankreich, Iberien, Italien. Griechenland liegt östlich davon und kam glimpflicher davon, als der Ruf des Jahrgangs vermuten lässt.
Was blieb, war trotzdem ein heiß-trockener Sommer mit hoher Verdunstung, und er hat das Land nach Höhe und Farbe zerlegt. In Attika liegen zwei Punkte zwischen Rot und Weiß – der größte Abstand dieser Seite, und er zeigt in die Richtung, die dieses Jahr überall vorgab.
Wo die Hitze ankam – Nemea, Attika, das warme Tiefland
Der Peloponnes um Nemea und die warmen Tieflagen Zentralgriechenlands bekamen den Hitze- und Trockenstress voll ab: beschleunigte Reife, dehydrierte Beeren, vorgezogene Lese. Für die Roten hieß das früh lesen – mit dem Risiko, die phenolische Reife zu verpassen, bevor die physiologische da war. Was zu spät kam, wurde überreif, rosiniert und marmeladig.
Für die weißen Sorten des Tieflands war es schlicht ein schlechtes Jahr. Savatiano in Attika und Roditis um Patras verloren Säure, gewannen Alkohol und büßten ihre Aromatik ein. Sehr früh oder nachts zu lesen war Pflicht, nicht Kür – die 4,5 für das Attika-Weiß ist der niedrigste Wert dieser Seite.
Wo die Höhe und das Meer halfen – Santorini 7,5 im Weiß
Auf Santorini moderierte die Insellage die Hitze so weit, dass der Jahrgang in den Aufstellungen der ägäischen Extremhitzejahre gar nicht auftaucht. Heiß, trocken und windig war es, aber die Reife blieb maßvoll, und das Assyrtiko wurde frisch und langlebig. Dasselbe Prinzip trug den Moschofilero in Mantinia und die Debina in Zitsa, beide auf sechshundert bis siebenhundert Metern.
Naoussa – Rot 6,5
Der Norden erlebte ein anderes Jahr als das Fernsehen. Bis in den Hochsommer war es dort relativ trocken und kühl, mit ordentlichen Niederschlägen; die Trauben blieben gesund, und eine späte Lese war möglich. Das Hochland von Amyndeon auf rund siebenhundert Metern hatte zusätzlich die kühlen Nächte.
Für den säurebetonten Xinomavro verwaschen warme Jahre allerdings das klassische Profil. Der Wert liegt deshalb einen halben Punkt über dem Landesschnitt, nicht höher.
Unsere Weine
Zwei griechische Weine aus 2003 haben wir verkostet, beide rot, beide von Kreta, beide aus Kotsifali und Mandilaria: der Kritikos von Boutari mit 84 und ein Michalakis mit 75 Punkten. Der Median von 79,5 ist der niedrigste aller unserer Jahrgangsseiten.
Zwei Flaschen aus einem Landstrich tragen kein Urteil über ein Jahr. Sie liegen aber in derselben Richtung wie der kretische Wert dieses Jahrgangs – bei alten Jahrgängen eine Seltenheit.
Alle Verkostungsnotizen aus 2003
· Boutari Kritikos · 84
· Michalakis Michalakis · 75
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